Freitag, 24. Juni 2011

Devokabilisierung

Wie schwierig die Übersetzerei ist, merke ich gerade wieder selbst. Seit ich bei der KTO aufgehört habe, konzentriere ich mich wieder auf das Einzige, was ich je wirklich systematisch habe, das Übersetzerhandwerk - oder ist es die Übersetzerkunst? Das liegt tatsächlich an der Betrachtungsweise und am jeweiligen Text. Und natürlich am Übersetzer. Ich würde mich derzeit wohl als Kunsthandwerker bezeichnen; auf einem grundlegenden Niveau sehr gut, aber nicht mal in der Lage ein 30-Seiten-Kinderbuch verlagsfähig hinzuübersetzen. Bei der KTO habe ich ja auch in Massen übersetzt, aber eine Übersetzung und eine gute Übersetzung, das ist der Unterschied von Monaten Arbeit.
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Wie auch immer, davon, dass ich rumweine, wird es auch nicht besser, habe ich mir gedacht und mich mal wieder in der Literaturübersetzer-Akademie blicken lassen, wo ich auch gleich freudig empfangen wurde von vielen netten alten Bekannten. Eine von mir sehr geschätzte Übersetzerin für Französisch hielt schließlich einen Vortrag und sprach über das, was ich seit einigen Monaten immer mehr spüre, aber nie zu formulieren vermochte.
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탈언어화 (Taleoneohwa) war ihr Thema. Und wie weit ich noch von echter Größe entfernt bin, zeigte sich genau in diesem Moment, denn während Sie, die sie übrigens auch Simultan-Dolmetscherin ist, darüber dozierte, was Taleoneohwa für die Übersetzerfähigkeit ausmacht, suchte ich nach einer adäquaten Übersetzung dieser Vokabel ins Deutsche.
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Dummer Fehler, ganz dummer Fehler. Denn wie ich auf einem Ohr zwischendurch mitbekam, ging es genau darum, dies zu vermeiden: Taleonohwa bezeichnet den Vorgang, dass man nicht von einer koreanischen Vokabel in eine deutsche übersetzt, sondern einen koreanischen Begriff oder Satz hat, sich ein Bild von dem Konzept an sich macht und dann etwas ähnliches auf Deutsch sucht - etwas, was die meisten Übersetzer und viele Dolmetscher nur ungenügend können, aber wichtig ist, um eine natürliche, ungestelzte und treffende Formulierung hinzubekommen.
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Theoretisch kann ich es bereits - zur Hälfte. Es war die nächste Stufe nach meinen ersten Träumen auf Koreanisch. Ich höre jetzt koreanische Sätze und weiß, was gesagt wird, ohne mir das erst zu übersetzen - es wird einfach so gespeichert, was sehr einfach ist und mein Gesprächstempo extrem verbessert hat. Doch das Umschalten dann ins Deutsche, also das Abrufen und Umwandeln, das will noch immer nicht funktionieren. Ob es das jemals tun wird? Wenn ich mir anschaue, wie ich versuche koreanische Gesprächsinhalte deutschen Freunden zu erklären, kommen mir da große Zweifel.
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Dolmetschen wäre sicher eine interessante Sache, aber ich habe mich in den letzten Tagen vermehrt um etwas anderes gekümmert. Neben Englisch-Deutsch und Koreanisch-Deutsch werde ich jetzt nach und nach auch in den Deutsch-Koreanisch-Markt vordringen. Dieser ist stark überbesetzt, schlecht bezahlt, hat aber auch mehr Aufträge insgesamt gesehen - und ich möchte die Herausforderung wagen, wenn nicht mehr als Koreanischübung dabei rauskommt, auch kein Problem. Mein erstes Projekt: Deutsche Tarifverträge für eine Gewerkschaft ins Koreanische übersetzen - man hat ja sonst nichts zu tun ^^